Haarausfall

 

Der morgendliche Blick in den Spiegel enthüllt zumeist Unerfreuliches. Neben ersten Falten und Krähenfüßen zeigen sich gerade bei Männern die sogenannten Geheimratsecken. Die umgangssprachliche Bezeichnung für die lichten Stellen an den Schläfen entstand in Anspielung auf das Alter des Geheimrats, ein archaischer Titel aus deutscher Vergangenheit, und umschrieb anerkennend die Ehre, die er im Laufe seines Lebens erlangt hatte.


Eine Definition von Haarausfall ist sehr schwierig, da das tägliche Ausfallen der Haare eine ganz normale Erscheinung ist. Das menschliche Haar unterliegt einem regelmäßigen Zyklus, der etwa 6-8 Jahre umfasst. In diesem Zeitraum erneuern sich die Haarwurzeln, um ausgefallene Haare, es sind pro Tag etwa 60 bis 100, zu ersetzen.
Bei diesem biologischen Prozess spielt die Ernährung eine nicht unwesentliche Rolle. Zink, Folsäure und Biotinsäure sind essentielle Bestandteile der Ernährung und können sich auf das Wachstum oder die Beschaffenheit des menschlichen Haars auswirken. Zink findet sich besonders in tierischen Produkten, etwa Rind- oder Schweinefleisch aber auch in Milchprodukten wie Käse oder Joghurt.
Grundsätzlich ist eine Unterscheidung in drei Grundarten möglich: Diffuser Haarausfall, kreisrunder Haarausfall und erblich oder hormonell bedingter Haarausfall.


Der diffuse Haarausfall zeigt sich am generellen Ausdünnen der Haare und ist noch relativ unerforscht. Mögliche Ursachen liegen in Hormonumstellungen nach einer Schwangerschaft, stressbedingtem Lebenswandel oder der Einnahme bestimmter Medikamente.
Der kreisrunde Haarausfall, auch Alopezia Areata genannt, ist meist ein Anzeichen für bereits vorliegende, bislang unentdeckt gebliebene, körperliche Beschwerden. Das körperliche Immunsystem ist geschwächt und kann die Angriffe auf die Haarfolikel nicht mehr abwehren. Die Haare fallen aus. Eine andere, von Ärzten und Wissenschaftlern, vermutete Ursache ist eine Autoimmunkrankheit bei der körpereigene Bestandteile, hier die Haarwurzel, angegriffen werden. Der Krankheitsverlauf ist sehr unterschiedlich, bei geeigneter Medikation ist eine sofortige Besserung möglich.

Androgenetische Alopezie, der erblich oder hormonell bedingte Haarausfall tritt besonders häufig auf, etwa 95% der unter Haarausfall leidenden Männer, sind an dieser Form erkrankt. Die Ursache ist das männliche Geschlechtshormon Testosteron, welches sich in das sogenannte Dihydrotestosteron (DHT) umwandeln kann. Das so veränderte Hormon greift dann die Haarfolikel an, was zur Folge hat, dass die Haare ausfallen. Weil auch Frauen geringe Mengen Testosteron in ihrem Körper aufweisen, tritt diese Art des Haarausfalls auch bei ihnen auf. Eine wirksame Therapie für den androgenetischen Haarausfall besteht in der Gabe des Wirkstoffs Finasterid.


Im Allgemeinen ist festzuhalten, dass bei einer sichtbaren Änderung der Haarstruktur oder wachsendem lokalem Haarverlust unbedingt ein Arzt (Hautarzt) aufzusuchen ist, um mögliche Ursachen zu klären und eine schnelle Therapie beginnen zu können.
Von einer Selbstbehandlung sollte abgesehen werden, da die Liste der Ursachen lang ist und der genaue Grund letztendlich nur vom Arzt restlos und befriedigend geklärt werden kann.
Von frei verkäuflichen Wundermittelchen aus der Apotheke ist abzuraten, da diese außer viel Geld und enttäuschten Hoffnungen wenig bieten und keine Besserung herbeiführen.
Medizinisch wirksame Präparate können nur vom Arzt empfohlen und verschrieben werden.