Akzeptanz in der Gesellschaft

 

          

 

Wer Übergewicht hat, leidet nicht nur unter gesundheitlichen Beeinträchtigungen, sondern vor allem an der Art und Weise, wie die Gesellschaft mit ihm umgeht. Obwohl Übergewicht ein Problem ist, dass fast jeden zweiten Deutschen mittleren Alters betrifft, sind die Helden und Stars der Fernsehsendungen und Hollywoodfilme alle superschlank; und an den Traummaßen dieser Darsteller werden ganz normale Bürger gemessen. Auch wer nur ein bisschen mollig ist, fühlt sich schon als Mensch zweiter Klasse und bekommt von schlankeren Zeitgenossen oft genug Verachtung gezeigt. Obwohl bekannt sein sollte, dass die Gene eine entscheidende Rolle spielen bei der Frage, ob jemand zur Fülle neigt oder nicht, werden Menschen mit Übergewicht gerne als willensschwach und bequem hingestellt. Es entsteht der Eindruck, als seien Modelmaße mit strenger Disziplin beim Essen und sportlicher Aktivität für jeden Menschen erreichbar. Dabei sieht die Realität in Wirklichkeit meist anders aus. Viele Models hungern oder treiben exzessiv Sport, um ihr Gewicht zu halten.
Übergewichtige haben oft eine lange Odyssee hinter sich, bei der sie jede Diät ausprobiert haben und dann doch wieder zugenommen haben, meist mehr als sie an Gewicht vorher verloren hatten.

 

 

Was dicke Menschen am wenigsten gebrauchen können, sind abfällige Bemerkungen, die zumeist keine Ahnung von dem ungeheuren Leidensdruck haben. Jojo-Effekt, jahrelanger Verzicht, nur um dennoch beim Anblick im Spiegel unglücklich zu sein – das ist die Geschichte vieler Übergewichtiger.
Selbst bei der Jobvergabe haben Übergewichtige häufig das Nachsehen; die schlanken Bewerber werden ihnen vorgezogen. Denn äußere Attraktivität – dazu zählt eben auch ein schlankes Erscheinungsbild – wird immer noch mit Können und Qualifikation gleichgesetzt. Diese negativen Erfahrungen sind schuld daran, dass die Betroffenen sich immer mehr zurückziehen, sich nicht trauen, sich in sportlicher Kleidung oder Badeanzug sehen zu lassen und sich vor lauter Kummer eine weitere Schutzschicht Speck zulegen.
Ein erster Schritt in die richtige Richtung wird gerade von der Modebranche getan. Untergewichtige und magersüchtige Models sollen nicht mehr an Modenschauen teilnehmen dürfen. Es würde auch helfen, wenn die Modezeitschriften verstärkt mit Frauen werben, die normale Figuren – mit sogenannten kleinen Problemzonen – haben. Dadurch würde der Vergleich der Übergewichtigen mit diesen Frauen nicht mehr so frustrierend ausfallen. Die Gesellschaft insgesamt sollte aufhören, sich geradezu krankhaft mit dem Thema Übergewicht zu beschäftigen und die Menschen nach ihren inneren Werten beurteilen statt nach Äußerlichkeiten.