Stuart Island – Insel mit Verzauberungsgefahr

 

Stewart Island ist der südlichste Zipfel Neuseelands und fristet neben den beiden Hauptinseln des Landes ein eher stilles Dasein. Doch dies macht gerade den Reiz von Stuart Island aus. Gerade mal 300 bis 400 Menschen leben auf dem dreieckigen 1700 Quadratkilometer großen Stück Land, die meisten von ihnen in Oban, einer kleinen Häuseransammlung in der Halfmoon Bay. So ist Te Punga o te Waka a Maui, wie die ersten Maori Stuart Island nannten, ein kleines verstecktes Paradies geblieben.

Das Sagen hat auf Stewart Island die Natur, Menschen sind hoffnungslos in der Unterzahl. Keine zehn Minuten von Oban entfernt befindet sich der Observation Rock, von dem man aus eine atemberaubende Sicht auf die Rimu-Bäume hat, die mit den Miro, Kahikatea und Totara die oberste Etage der artenreichen Mischwälder Stewart Islands bilden. Man blickt weit hinein in den riesigen Meeresarm Paterson Inlet mit farnüberwucherten Küstenwald, auf die menschenleeren Sandstränden und die unzähligen vorgelagerten Inselchen. Am beeindruckendsten sind aber die Sonnenuntergänge, die Stuart Island den zweiten Maori-Namen Rakiura, das Land des glühenden Himmels, eingebracht haben.

Der Northern Circuit ist der vielleicht spektakulärste Wanderweg auf Stewart Island. Hier kann es passieren, dass eine Fruchttaube angeschwipst auf einen zutorkelt, weil sie sich von gegorenen Beeren ernährt hat, dass Seelöwen alles daran setzen, ihren Strand menschenfrei zu halten oder dass Wekas in Erwartung von Sandwich-Resten einem schöne Augen machen. Spätestens in Mason Bay aber wird ein plumper, flügelloser Geselle mit langem Schnabel dem Gast über den Weg laufen: der Kiwi, Neuseelands Nationalvogel, ist hier so zahlreich vertreten, dass er sogar tagsüber anzutreffen ist.

Die Tierwelt ist auf Stewart Island so vielfältig, dass man niemals ohne Fotoapparat unterwegs sein sollte. Wer ganz sicher gehen will, auf Stewart Island auch alles gesehen zu haben, der sollte sich zum Abschluss auf eine Kajak-Tour, eine Fahrt mit einem Glasbodenschiff, einen Rundflug oder eine Bustour begeben. Aber Vorsicht: Auf ganz Stewart Island herrscht Verzauberungs-Gefahr!