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In der Geschichte von der Loreley liegt wohl Dichtung, Wahrheit und Legende dicht beieinander. Nicht nur die gigantische Aufschichtung von Schiefergestein, welche die Talenge des Rheins bei St. Goar eindrucksvoll markiert, ist gemeint. Deutsche Dichter haben den Felsen bei St. Goar berühmt gemacht. Die Enge des Tales, der unbändige Strom und das geheimnisvolle Echo haben wohl zu der Sage von dem blonden Mädchen auf dem Felsen geführt, die mit betörendem Gesang und geheimnisvoller Schönheit die Schiffer auf dem Rhein ins Verderben lockte. Clemens von Brentano schildert in seinem Roman „Godwi“ (1801) die Lore Lay. Eine hinreißend schöne Frau, die dazu verflucht war, Männern den Kopf zu verdrehen und ihnen nur Unheil zu bringen. Die andere Version dieser Sagengestalt hat Heinrich Heine in Reimform verfasst. Sie kämmt ihr goldenes Haar, wobei sie ein Liedchen trällert, das eine wundersame, gewaltige Melodei gehabt haben soll. Und die Schiffer, anstatt auf die Untiefen und wilden Strömungen zu achten, gafften zu ihr hinauf, zerschellten mit ihren Booten an den Felsen und wurden von den Strudeln des Stromes in den Abgrund gerissen, der an dieser Stelle 27 Meter misst. |
So finster sich die schroffe Felsformation vom Fluss her gesehen auch erscheint, eine Fahrt hinauf auf den 132 Meter hohen Gipfel lohnt sich immer, von dem man einen herrlichen Ausblick ins Rheintal bis hinüber auf die Berge des Hunsrück hat. Die einzigartige Flusslandschaft ist gesäumt von Rebengärten, deren Weine Weltgeltung haben. Die imponierenden Burgen an den Hängen streben himmelwärts und sind märchen- als auch legendenumwoben. Eine Kulturregion mit wechselvoller Vergangenheit, die überall ihre Spuren hinterließ. Die Loreley gibt es immer noch oder besser gesagt wieder. Alle zwei Jahre wird unter den jungen Frauen der Region die Hübscheste zur Loreley gewählt. Mit dieser Wahl entstehen Pflichten: Sie repräsentiert die Mittelrheinlandschaft samt ihrer Weine in der Öffentlichkeit. Die leibhaftige Loreley ist zudem Symbolfigur für die romantische Loreley-Burgenstraße, die eng mit 17 Gemeinden im Rheintal und auf den Rheinhöhen verbunden ist. |