Weimar – Auf einen Besuch zum alten Herrn Goethe

 

Ist man in Weimar zu Besuch, spukt er dem Besucher die ganze Zeit im Hinterkopf herum. Er begleitet den Weimar-Gast wie ein Geist: unsichtbar, aber allgegenwärtig. Man bummelt durch den Park an der Ilm und denkt: Hat er vielleicht gerade an diesem Platz Charlotte von Stein romantische Avancen gemacht?

Er, das ist – in diesem Falle fast überflüssig zu erwähnen – Johann Wolfgang von Goethe, Deutschlands Dichterfürst. Ihm hat es Weimar letztendlich zu verdanken, dass es zur Europäischen „Kulturhauptstadt“ 1999, als sich sein Geburtstag zum 250. Mal jährte, gekürt wurde. Freilich ihm nicht allein. So viel Ehre für ein 62.000-Einwohner-Städtchen – da musste Weimar schon ein paar weitere Trümpfe aus dem Ärmel ziehen. Nichts leichter als das:

1999 war auch der 240. Geburtstag von Friedrich Schiller, 80 Jahre Bauhaus, 80 Jahre Weimarer Verfassung, schließlich die Tatsache, dass die Mauern der Stadt Geistesgrößen wie Herder, Liszt, Nietzsche, Strauss und Lucas Cranach d. Ä. beherbergten – all das zusammen gab schließlich den Ausschlag.

Die Auszeichnung war allerdings auch nicht ganz billig: Mit einem Aufwand von ca. 500 Millionen Euro wurde Weimar wieder auf Hochglanz gebracht. Und so empfängt die Stadt ihre Gäste auch noch heute. Die meisten beginnen ihren Stadtrundgang da, wo „sie“ stehen: Goethe und Schiller als imposantes Doppel-Denkmal am Theaterplatz vor dem deutschen Nationaltheater. Vorbei am Wittumspalais und Wielandmuseum kann der Weimar-Gast durch die Schillerstraße vorbei am Schillerhaus gemächlich in fünf Minuten zum Marktplatz schlendern.

Zum malerischen Ensemble gehören das Rathaus, das Cranachhaus, das Stadthaus, der Gasthof zum „Schwarzen Bären“ und das berühmte, alterwürdige Hotel „Elephant“. Auf keinen Fall sollte man einen Gang durchs Bauhaus-Museum in der Kunsthalle am Theaterplatz und einen Besuch im Neuen Museum Weimar versäumen.

Höhepunkt auf dem Spaziergang durch Weimar auf Goethes Spuren ist ein Besuch des Goethehauses am Frauenplan 1. Fünfzig Jahre (von 1782 bis zum seinem Tode 1832) hat der Dichterfürst hier gewohnt. Hier steht auch der Sessel, in dem der wortgewaltigste Mann, den dieses Land je hervorgebracht hat, seine letzten Worte flüsterte: „Mehr Licht…“