Pompeji - Zu Fuß durch eine untergegangene Stadt

 

Zu einem Italienurlaub gehört für ein Besuch des Kolloseums sowie des Vatikans einfach dazu. Für alle Geschichts- und Kulturinteressierten ist ein Besuch der ausgegrabenen Stadt Pompeji am Fuße des Vesuvs ebenso Pflicht.

Das 9 km entfernte vom 1200 m über dem Meeresspiegel liegenden Vesuv Pompeji beherbergte 15 000 Einwohner. Am 24. August des Jahres 79 war schönes Wetter. Etwa gegen 10 Uhr erschütterten Erdstöße die Stadt, Dächer stürzten ein, dann explodierte mit einem erschütternden Knall der Gipfel des Vesuvs und eine riesige schwarze Wolke schoß aus dem Trichter. Sofort prasselte ein Aschenregen auf die Stadt und Lava ergoß sich talwärts. Während das nahegelegene Herculaneum sofort unter einer dichten Schicht von Schlamm, Lava und Wasserfluten begraben wurde, starben in Pompeji die meisten Menschen an den tödlichen Phosphordämpfen. Viele Bewohner hatten sich in ihre Häuser geflüchtet, vergeblich verbargen sie ihre Gesichter in Mänteln und Kleidern. Wer sich im Freien aufhielt, wurde sogleich von der Menge der herumfliegenden Lavabrocken und Bimssteine erschlagen. Erst nach drei Tagen kam die Sonne wieder zum Vorschein, Pompeji war unter einer sechs bis sieben Meter dicken Ascheschicht begraben.

Erst 1594 und 1600 entdeckte man durch Zufall bei Entwässerungsarbeiten im Sarno-Tal unterirdische Gänge mit Inschriften und Statuen. Die erste wissenschaftliche Grabung fand erst später 1748 statt. Ab 1860 begann die eigentliche und systematische Ausgrabungsgeschichte, die bis heute andauert. Denn noch über ein Drittel der Stadt bleibt zu entdecken. Doch schon damals wurde die Technik entwickelt, in die Hohlräume flüssigen Gips zu spritzen und so die Lage und den Ausdruck der Opfer festzuhalten, die während des Ausbruchs den Sekundentod fanden. Nur in Pompeji kann man die Abdrücke ganzer Familien auf diese Weise herstellen und der Nachwelt damit ein bedrückendes Zeugnis liefern wie schnell das Inferno über die Menschen in der Stadt hereingebrochen war.

Nicht zuletzt durch Bürokratismus, Korruption und Ignoranz ist Pompeji als einzigartiges Kulturerbe der Menschheit in Gefahr ein zweites Mal unterzugehen. Jahrhunderte lang haben die Verantwortlichen versäumt, die ausgegrabenen Schätze für die Nachwelt sorgsam aufzubewahren. Heute sind die einst für ihre Perfektion und konservierte Leuchtkraft berühmten Wanddekorationen dem Zerfall preisgegeben. Ein erneutes Erdbeben 1980 richtete ebenfalls verheerende Schäden an. Viele der einst zu besichtigenden Häuser wurden baufällig und sind seither für den Publikumsverkehr gesperrt. Trotzdem besuchen pro Jahr über 2 Millionen Interessierte diese einmalige Stätte.
Insgesamt wurden viele Ausgrabungsfundstücke in das 14 km entfernte Museum von Neapel gebracht. In den Nachmittagsstunden kann man dort ungestört die Statuen und Kunstgegenstände aus Pompeji betrachten. Erst 1998 wurde Pompeji, zusammen mit Herculaneum und Torre Annunziata von der UNESCO zum Weltkulturerbe der Menschheit erklärt.