Handschrift - So einzigartig wie ein Fingerabdruck

 

 

Unter dem Begriff Handschrift versteht man das Schriftbild eines Menschen. In der Bundesrepublik Deutschland lernen Kinder ab sechs Jahren das Schreiben. Doch während die Kinder zu anfangs ausschließlich Vorgaben kopieren und seitenlang einzelne Buchstaben abmalen, prägt sich das Schriftbild mit zunehmender Routine immer stärker aus. Die Handschrift wird markanter, individueller und ist schließlich absolut eindeutig auf einen Schreiber zurückzuführen. Ein Umstand, der gleich mehrere Auswirkungen hat.

Denn es können psychologische, soziokulturelle Rückschlüsse aus dem Schriftbild gezogen werden. Seit den 1960er Jahren wurde damit auf den Fachgebieten der Schriftpsychologie und Graphologie immer weiter geforscht. Nicht selten werden beide Begriffe miteinander verwechselt. Das kommt daher, dass beide Disziplinen miteinander  verwandt sind. Sie suchen nach Schlüssen aus der Handschrift eines Menschen, um daraus ein Persönlichkeitsprofil zu erstellen. Gerade Schriftpsychologen gehen im Gegensatz zu Grafologen tiefgründiger zu Werke. Sie versuchen auch Schlüsse über die Sozialisation des Schreibers zu ziehen. Fragen wie, welche Schule der Verfasser der Handschrift besucht hat, oder ob Schreibschwächen vorliegen kann der Schriftpsychologe aus der Handschrift des einzelen ablesen.

In der Psychologie wird diese Methode benutzt,  um Patienten bei Problemen mit ihrer Persönlichkeitsentwicklung oder dem sozialen Umfeld Tipps und Erklärungen zu geben. Historiker versuchen dagegen aus der Handschrift berühmter Personen Auskünfte über die Persönlichkeit zu bekommen. So befassten sie sich z.B. in der Vergangenheit mit dem besonders geschwungenen "S" in Goethes Handschrift.  Dennoch sind die Ergenisse dieser wissenschaftlich anerkannten Vorgehensweise leider nicht belegbar und somit nur schwer zu überprüfen.

Beim Schriftvergleich nutzen Kriminalisten und Gutachter die Persönlichkeit der Handschrift. Sie lassen bei ihrer Arbeit jegliche psychologischen, soziokulturellen Dimensionen außer Acht. Hier geht es ausschließlich darum, Handschriften zu vergleichen, um herauszufinden, wer der tatsächliche Urheber eines Briefes, Testamentes oder Autogrammes ist. Auf diesem Wege lassen sich erstaunlich exakte Angaben machen und Fälschungen mit einer Wahrscheinlichkeit von 99% entlarven. Denn die alte Metapher „die Handschrift tragen“ hat eine wahre Quelle. Jede Handschrift ist weltweit einzigartig und verrät ihren Produzenten fast so eindeutig wie ein Fingerabdruck. Gutachter und Sachverständige.

 

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