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Die Standorttheorie Alfred Webers hat im vergangenen Jahrzehnt viel an Glanz verloren. Zu Beginn der 90er Jahre war sie noch eine der Grundlagen für viele der wirtschaftsgeographischen Lehrbüchern, nun wird sie in Veröffentlichungen aus institutionalistischer und regulationstheoretischer Perspektive oder in der New Economic Geography kaum noch mit einer Fußnote gewürdigt. Das Standortdreieck von Alfred Weber war die Erklärung des Raumes aus den Transportkosten. Doch scheinen die Transportkosten in Zeiten des global sourcing endgültig zu einem Randphänomen geworden zu sein. Mit dem ersten Band seines Werkes („Über den Standort der Industrien…“), die „Reine Theorie des Standortes“, hatte Alfred Weber nach weiteren Vorarbeiten zu seiner empirisch fundierten Standorttheorie 1909 publiziert. Doch der zweite Band, die „realistische Theorie“, erschien trotz mehrfacher Ankündigungen nie. In diesem, seinem Hauptwerk, arbeitete Alfred Weber den optimalen Standort eines Unternehmens aus volkswirtschaftlicher Sicht heraus. Seine Wurzeln lassen sich in den Arbeiten von Thünen, Kohl (1841) und Launhardt (1882) ausmachen. Alfred Weber gilt als Begründer der klassischen normativen Standorttheorien. Diese versucht, den optimalen Standort eines Unternehmens nach mathematischem Kalkül festzustellen. Alfred Webers Interesse lag auf dem Einfluss der Marktplatzfunktionen der Stadt auf die Standorte der rohstoffverarbeitenden Betriebe. In der ersten Ebene seiner Theorie sieht Alfred Weber die geometrische Entfernung und physischen Gewichte der Waren als die raumbestimmenden Faktoren. Besonders achtete Alfred Weber auf den Verlust an Gewicht oder Volumen, den der Rohstoff während des industriellen Verarbeitungsprozesses widerfährt. Er bewies, dass dieser Verlust für die Standorte bestimmter Industrien eine ausschlaggebende Rolle spielt. Gemäß Alfred Weber erweisen sich daher Industriezweige mit Verarbeitungsverfahren, die einen hohen Gewichtsverlust innehaben, bei ihrer Standortwahl als eher rohstofforientiert (d.h. naturgemäß siedeln sich solche Industriezweige in der Nähe der natürlichen Vorkommen des zu verarbeitenden Rohstoffes an, ein Beispiel wäre die Stahlindustrie im Ruhrpott). Industriezweige, dessen Enderzeugnis im Verhältnis zu den Rohmaterialien einen verschwindend geringen Gewichtsverlust haben, werden sich dagegen eher marktorientiert in der Wahl seiner Standorte zeigen (d.h. die Industriezweige wählen ihren Sitz dort, wo die Kosten möglichst gering sind und gute Preise in der Nähe der Absatzmärkte erzielt werden können, um so den größtmöglichsten Gewinn zu erzielen, ein Beispiel wäre ein Software-Unternehmen). |
Die Annahmen Alfred Webers sind nicht frei von Kritik, da sie zum Teil nicht der Realität entsprechen. So sind die Transportkosten nicht ausschließlich eine Funktion von Gewicht und Entfernung, in der Praxis können die Frachttarife mit zunehmender Entfernung degressiv abnehmen und auch hinsichtlich der Art der zu befördernden Güter (Massengüter, Stückgüter) Unterschiede aufweisen. Nur die Transportkosten als Entscheidungsmedium für die Standortwahl anzusehen sei falsch, belegten bereits Andreas Predöhl, Tord Palander und Walter Isard für die Neoklassik, denn nicht physische, sondern wirtschaftliche Größen - Preise und Kosten – sind für ökonomische Akteure entscheidend. Neben den Transportkosten kommen natürlich noch weitere Kosten auf einen Unternehmer zu, die ebenfalls seine Standortwahl beeinflussen können (unterschiedliche Grundkosten und staatliche Eingriffe wie z.B. Subventionen oder Umweltsteuern). Alfred Weber bezieht sich nur auf Einbetriebunternehmen, die Standorte von Mehrbetriebsunternehmen und den Absatz der Produkte klammert er völlig aus. Alfred Webers Lösung zielt ausschließlich auf Kostenminimierung ab, die Alternative der Erlösmaximierung wird nicht ins Auge gefasst. Auch wenn der Erfolg eines neu gegründeten Unternehmens nicht unbedingt von der Standortwahl abhängt, so bildet ein geeigneter Standort doch eine wichtige Voraussetzung für die betriebliche Entwicklung. Dabei ist der Einfluss von Standortgegebenheiten verständlicherweise von Branche zu Branche sehr unterschiedlich. Bei Standortentscheidungen handelt es sich um relativ seltene und langfristig wirksame strategische Fragen der Unternehmensführung. Die Voraussetzungen der standortsuchenden Unternehmen unterscheiden sich im Einzelfall erheblich voneinander. Dementsprechend lassen sich kaum allgemeingültige Aussagen über die Standortwahl von Unternehmen machen. Für die Montanindustrie hatten die Kriterien Alfred Webers sicherlich Bedeutung, da der Transport von Erzen und Kohle mit hohen Kosten verbunden war. Heute spielen andere Faktoren eine Rolle (z.B. Struktur und Strategie eines Unternehmens). |