Bertil Gotthard Ohlin – Der Urheber der modernen Handelstheorie

 

Bertil Gotthard Ohlin wurde am 23. April 1899 in Gramanstorp (heute zu Klippan) geboren und starb am 30. Juli 1979 in Valadalen. Bertil Gotthard Ohlin studierte nach seinem Schulbesuch an der Handelshochschule in Stockholm, an der er auch seinen Doktortitel erwarb.

Seine Tätigkeit begann er 1919 in der Zoll- und Vertragskommission, ab 1920 arbeitete Bertil Gotthard Ohlin im Wirtschaftsrat mit und war ab 1924 an der Universität Stockholm für die Vorbereitung von Konferenzen zuständig. Seinen Ruf als Nationalökonom erhielt er 1924 an der Universität Kopenhagen. An die Handelshochschule in Stockholm kehrte er 1924 als Professor zurück, an der Bertil Gotthard Ohlin 1965 emeritiert worden ist.

Auch an den Hochschulen des Auslandes, z.B. an der Sorbonne in Paris (34), in Camebridge (36) und an der Columbia University in New York und Oxford (47), hat Bertil Gotthard Ohlin als Gastprofessor gelesen. Ohlin hat immer versucht, seine wirtschaftswissenschaftlichen Erkenntnisse in praktische Politik umzusetzen. Als engagierter Verteidiger der individuellen Freiheit begann für ihn eine erfolgreiche politische Karriere in der bürgerlichen, liberalen Volkspartei, was seine wissenschaftlichen Arbeiten stark begrenzte. Von 1944 bis 1967 war er ununterbrochen Präsident der liberalen Volkspartei, die unter seiner Führung bis Ende der 50er Jahre zur stärksten Opposition wurde. Bis zu seinem endgültigen Ausscheiden aus der aktiven Politik, war Ohlin von 1938 bis 1970 Mitglied im schwedischen Reichstag.

1944 bis 1945 war Bertil Gotthard Ohlin kurze Zeit Handelsminister, von 1949 bis 1960 und 1969 bis 1970 war Ohlin Mitglied des Europarates sowie 1965 bis 1970 Mitglied des Nordischen Rates. Von 1969 bis 1974 war Bertil Gotthard Ohlin Präsident im Kommitee des Nobelpreises für Wirtschaftswissenschaften. Er war Mitglied der schwedischen Akademie der Wissenschaften und ab 1977 auch Mitglied der Academie des sciences et politiques in Paris. Als späte Krönung wurde ihm zusammen mit dem britischen Nationalökonom James Meade der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften des Jahres 1977 verliehen. Ohlin wurde als ,,Urheber der modernen Handelstheorie" gewürdigt. Er habe u.a. aufgezeigt, dass der Austausch von Produkten auf weltweiter Ebene von zahlreichen Faktoren in den einzelnen Ländern im Bereich der Produktion bestimmt werde. Hierzu zählt auch das von Ohlin 1933, nach Ansatzpunktion von Eli Filip Heckscher (1919), weiterentwickelte und von P.A. Samuelson (1948) formalisierte ,,Heckscher-Ohlin-Theorem", das die Richtung und die Stärke der internationalen Güterströme aus den Unterschieden der jeweiligen Produktionsstrukturen erklärt.

Bertil Gotthard Ohlin wissenschaftliches Hauptwerk ist das Buch ,,Interregional and International Trade" (1933). In einigen makroökonomischen Arbeiten aus den Jahren 1933 und 1934 hat er Keynes antizipiert. Da sie in schwedisch verfasst waren, wurden sie erst nach ihrer Übersetzung von Keynesianern ungläubig zur Kenntnis genommen. Obwohl viele seiner Werke nicht ins Englische übersetzt wurden, entwickelte er doch wesentliche Grundgedanken zur Geldtheorie, Beschäftigung und ökonomische Schwankungen.