John Stuart Mill – Einer der Klassiker des Liberalismus

 

John Stuart Mills (1806 - 1873) Abhandlung „On Liberty“ zählt zu den Klassikern des Liberalismus. Dieser steht in der Tradition der liberalen politischen Theorien Thomas Hobbes und John Lockes. Locke vertritt eine Naturrechtskonzeption, welche besagt, dass das Individuum schon im Naturzustand der Träger von Rechten ist. Zur Beendigung des Naturzustands soll von allen Individuen ein Gesellschaftsvertrag geschlossen werden, in welchem diese Rechte festgehalten sind (z.B. das Recht auf Selbsterhaltung).

Auf der Grundlage dieses Vertrages wird nun der Staat errichtet, welcher lediglich eine Ordnungs- und Sicherheitsfunktion hat, nämlich die Sicherung von Freiheit, von Leben und von Eigentum. Der Staat darf also die Freiheit des Individuums nur soweit einschränken, als zur Sicherung von Leben und Eigentum seiner Mitglieder nötig ist. Auch John Stuart Mill sieht in „On Liberty“ für den Staat eine Sicherheits- und Ordnungsfunktion vor, in der er nicht in die individuelle Lebensführung eingreifen darf. John Stuart Mill wehrt sich gegen die Vorstellung, dass in einer Demokratie „das Volk herrscht“, denn John Stuart Mill betrachtet die Regierung lediglich als Vertretung einer Mehrheit in der Bevölkerung und fürchtet in diesem Zusammenhang die Unterdrückung einzelner Individuen. Diese Ansichten gehen auf Alexis de Toquevilles Warnungen vor einer „Tyrannei der Mehrheit“ zurück, die entstehen könnte, wenn eine (überwiegend ungebildete) Mehrheit die Macht im Staat innehat.

Auch wenn John Stuart Mill die Demokratie als die einzig gerechte Regierungsform beurteilt, befürchtet er, dass in der Massengesellschaft Minderheiten nicht nur politisch, sondern auch sozial unterdrückt werden. Aus diesen Überlegungen heraus benennt John Stuart Mill drei Freiheiten des Individuums um es vor Übergriffen durch Gesellschaft und Regierung zu schützen:

1) Gewissens- und Diskussionsfreiheit:
Diese Freiheit besteht aus einer inneren Freiheit des Denkens und Fühlens und aus der Möglichkeit diese auch nach außen hin vertreten zu dürfen. Denn: Nur in einer freien geistigen Atmosphäre gibt es Fortschritt.

2) Die persönliche Freiheit der Lebensführung:
Wie auch immer Staat und Gesellschaft die Handlungen des einzelnen beurteilen mögen, sie sind stets gerechtfertigt, wenn sie andere Interessen nicht verletzen. Exzentrizität und Originalität, die nur in einer freien Atmosphäre möglich sind, sind unabdingbar für die Gesellschaft.

3) Vereinigungsfreiheit:
Diese Grundsätze sollen für alle „reifen“ Individuen gelten, die fähig sind, mündige Entscheidungen zu treffen. Kinder und „Barbaren“ zählt John Stuart Mill nicht dazu.

John Stuart Mill war also besorgter um die öffentliche Meinung, als um das Recht die Gefahr einer öffentlichen Meinung ist. In "On Liberty" beschränkte sich John Stuart Mill auf die Aussage, dass das Volk nicht zu bestimmten Verhaltensweisen gezwungen werden darf.