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Wassily Leontief wurde am 5. August 1905 in München geboren und starb am 5. Februar 1999 in New York. Der russisch-amerikanische Wirtschaftswissenschaftler ist Nobelpreisträger und gilt als Vater der mathematisch statistischen Ökonomie. Beim Leontief-Paradoxon untersuchte er, ob die Faktorausstattungen überhaupt wichtige Determinanten des komparativen Vorteils sind und ob das Heckscher-Ohlin-Samuelson-Modell eine adäquate Beschreibung der Realität liefert. Wassily Leontief wollte anhand diese Input-Output-Tabelle der USA die Kreislaufströme trennen sowie die tatsächlich verwandte Arbeits- und Kapitalintensität für die Produktion der amerikanischen Ex- und Importe messen. Wassily Leontief berechnete dazu die Kapitalintensität, welche in einer repräsentativen Gesamtheit der amerikanischen Exporte verkörpert war sowie den Wert, der eine ebenfalls repräsentative Gesamtheit konkurrierender Importgüter beinhaltete. Dabei ignorierte er die Importgüter, welche eigentlich nicht in den USA produziert wurden wie Kaffee, Tee und Jute. Er vernachlässigte ebenfalls Sektoren, wie den Dienstleistungssektor, die den Außenhandel gar nicht betrafen. Wassily Leontief überprüfte das Theorem für die USA und den RoW (Rest der Welt), indem er mittels Input-Output-Analyse den totalen Arbeitsgehalt und den totalen „Kapitalgehalt“ der US-Importe und –Exporte kalkulierte. Es stellte sich heraus, dass die USA – als kapitalreichstes Land – (netto) Arbeit exportieren und (netto) „Kapital“ importieren. |
Gründe für das Auftreten des Leontief Paradoxons sind die Annahmen des HO-Theorems, die nicht erfüllt sind: die Faktoren sind nicht homogen (USA hat mehr hochqualifizierte Arbeiter als RoW), die Neo-Faktorproportionen-Theorie unterscheidet minder- und hoch-qualifizierte Arbeit und vermeidet das Leontief-Paradoxon (USA exportiert qualifikationsintensive Produkte), die Technologie ist nicht gleich, die Faktoren sind nicht vollbeschäftigt, die Präferenzen sind nicht gleich (US-Konsum ist kapitalintensiver als RoW-Konsum), die Irreversibilität der Faktorintensitäten muss nicht gegeben sein und es werden nicht nur originäre Produktionsfaktoren, sondern auch Kapitalgüter eingesetzt. Wassily Leontiefs Ergebnisse nicht mehr paradox, wenn die Annahmen des Faktorproportionentheorems beachtet werden, also international gleiche Präferenzen, international gleiche Technologien und homogene Produktionsfaktoren. Das Leontief-Paradoxon stellt bei genauer Analyse keine Falsifikation des Heckscher-Ohlin-Theorems dar, hat jedoch einige Mängel und Schwächen aufgedeckt: Wassily Leontief führte eine Reihe von Hilfshypothesen ein, um sein Paradoxon abzuleiten. Technischer Fortschritt, Humankapital (insbesondere dessen Qualität) und die Effizienz des Kapitaleinsatzes werden nicht berücksichtigt. Der Leontief-Test basiert lediglich (wie auch das Heckscher-Ohlin-Modell) auf einem Zwei-Faktoren-Ansatz; eigtlich müssten auch andere Faktoren (Boden, Rohstoffe, Wirtschafts- und Gesellschaftssystem) berücksichtigt werden. Die Wassily Leontief-Studie bezieht sich lediglich auf ein Land (USA); idealer Weise sollten aber Güterströme zwischen Volkswirtschaften betrachtet werden. Andererseits wurden weitere Erhebungen bezüglich des amerikanischen Marktes gemacht, die das Leontief-Paradoxon als ein dauerndes Merkmal in den USA zeigen, allerdings nur in Handelsbeziehungen anderer Länder mit USA. Andere Analysen (Stern/Markus 1981) haben gezeigt, dass US-Exporte durchaus humankapitalintensiv sind, bei Einbeziehung von Humankapital ergibt sich also empirische Evidenz für das Heckscher-Ohlin-Theorem. Neuere empirische Untersuchungen (ab 1972) bestätigen das Leontief-Paradoxon nicht. |