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Der klassischen Nationalökonomie liegen einige wichtige Annahmen und Werte zugrunde. Der Zyniker Bernard de Mandeville (1670-1733) behauptete in seiner "Bienenfabel", die Summe des rücksichtslosen privaten Gewinnstrebens werde quasi automatisch die Wohlfahrt des Gemeinwesens sichern. Dieser Gedanke ist bis heute das wichtigste Argument zur Rechtfertigung des ökonomischen Liberalismus geblieben. Auch Adam Smith (1723-1790), der Klassiker der politischen Ökonomie, hat sich bekanntlich dieses Argument zu eigen gemacht; seiner Theorie zufolge kann die "invisible hand" des Marktes die gesamte Reproduktion der Gesellschaft viel besser regulieren als der Staat. Dieser ökonomische Liberalismus hat trotzdem der Staatsphilosophie von Thomas Hobbes nicht grundsätzlich widersprochen: Der "Leviathan" sollte sich zwar jeder sozialen und ökonomischen Tätigkeit enthalten, aber gleichzeitig sollte er durchaus seine Funktion als repressives Ungeheuer erfüllen, d.h. in Form von Justiz, Polizei und Militär die Opfer der Konkurrenz dazu zwingen, sich an die "Gesetze der Marktwirtschaft" anzupassen. Politische Diktatur und ökonomischer Liberalismus konnten daher schon immer grundsätzlich Hand in Hand gehen, was nicht erst ein Pinochet beweisen musste. Speziell ging es Adam Smith um die Frage, welche Kräfte für die Wohlstandssteigerung einer Nation nötig seien und auf welche Weise bzw. unter welchen Voraussetzungen diese Steigerung vonstatten gehe. Er glaubte dies mit dem Selbstinteresse der Individuen beantworten zu können, da seiner Meinung nach vor allem dadurch der Reichtum gefördert und die Wirtschaft zusammengehalten wird. Damit fand die Klassische Schule eine andere Antwort auf die Frage nach dem nationalen Wohlstand als Merkantilismus und Physiokratie, die der Klassik als ökonomische Epochen vorangingen: Während der Merkantilismus den Außenhandel als wichtigstes Mittel zur Wohlstandssteigerung ansah, zielte die Physiokratie auf die Wichtigkeit des Bodens ab. Bei der Klassik hingegen stehen die produktiven Ressourcen im Vordergrund. Dabei spielt das Humanvermögen eine ebenso wichtige Rolle wie das Produktivvermögen, außerdem müssen die Institutionen Akzeptanz und Sympathie finden, und ein nicht-absoluter Staat wird vor-ausgesetzt. Für Smith galt die Arbeit als die wichtigste Quelle des Reichtums. Er war der Auffassung, dass diese durch Arbeitsteilung besser und schneller gemacht sowie durch technische Hilfsmittel vereinfacht werden könne. Smith hielt ein dauerhaftes Wirtschaftswachstum für sehr erstrebenswert und sogar realistisch. Mittel dazu waren seiner Ansicht nach zunehmende Arbeitsproduktivität und Kapitalakkumulation. Die Steigerung der Arbeitsproduktivität sollte durch Arbeitsteilung erreicht werden; dafür war der Freihandel von Nutzen, da die Arbeitsteilung sonst ihre Grenze in der Größe der Märkte erfahre. Kapitalakkumulation allerdings setzt Sparen voraus, womit dies von Smith als wichtige Tugend benannt wurde. |
Die Vertreter der klassischen Schule orientierten sich hauptsächlich an den Theorien von Adam Smith, wobei sie besonderes Augenmerk auf den Zusammenhang zwischen Verteilung und Wachstum legten. Insbesondere das Ziel der Wohlstandssteigerung, das Adam Smith formuliert hatte, wurde von allen Klassiker vertreten. So gibt es in der Klassik zwar eine Grundidee, doch lassen sich Unterschiede sowohl in den Ansichten als auch in den angewandten Methoden erkennen. Auch die optimistische Entwicklung der Wirtschaft, die Smith vorgezeichnet hatte, wurde durch eine eher pessimistische Zukunftssicht verdrängt. Zudem begann man erstmals die Unterscheidung zwischen theoretischer und angewandter Ökonomie vorzunehmen. Obwohl die klassische Schule in ihren Theorien also nicht homogen auftrat, lassen sich drei Grundsätze erkennen, die in gleicher Weise eigentlich von allen Klassikern vertreten wurden: Das Individuum entscheidet vollkommen frei und ist selbst für sein wirtschaftliches Handeln verantwortlich; das Handeln der Individuen wird durch den Wettbewerbsprozess gesteuert, wobei der Wettbewerb als Voraussetzung für ein Funktionieren angesehen wird, da er das Gesamtsystem im Gleichgewicht hält. Die Klassiker waren in ihren Theorien immer wieder auf der Suche nach dem Maßstab für den Wert eines Gutes. Diesen haben sie allerdings weder im Geld noch in der Arbeit o.ä. gefunden. Auch die Unterscheidung zwischen Tausch- und Gebrauchswert brachte sie nicht in der Hinsicht weiter, den Wert eines Gutes in seinem Nutzen zu messen. Ebenso war die Unterteilung der klassischen Schule in „produktive“ und „unproduktive“ Arbeit insofern ein Irrtum, da sie die unproduktive Arbeit dem Konsum zurechneten, weil sie nicht in ein physisches Produkt eingeht. |