Navigationsakte – Ein Gesetz begünstigt Englands Aufstieg zur Seemacht

 

Navigationsakte ist die wörtliche Übersetzung des englischen Begriffes "Navigation Acts", was wörtlich übersetzt ein Gesetz für die Schiffsfahrt bedeutet. Diese Navigation Acts waren zwischen 1651 und 1854 ein entscheidender Faktor, um Gross Britannien zu einer Vormachtsstellung auf den Meeren zu verhelfen.   Mit den Navigationsakten wollte Oliver Cromwell dieses Anliegen verbrieft und realisiert sehen, weshalb der erste Akt am 9. Oktober 1651verabschiedet wurde und ab dem 1. Dezember zu wirken begann. Ein Auszug:

"Um die Zunahme der Seemacht zu fördern und die Schifffahrt dieser Nation zu ermutigen, die unter der güten Fürsorge und im Schutze Gottes ein so großes Mittel der Wohlfahrt und Sicherheit dieses Gemeinwesens ist, wird durch dieses Parlament verfügt, dass vom 1. Dezember 1651 an Güter oder Waren, welcher Art immer, die aus Asien, Afrika oder Amerika stammen, sowohl von den englischen als von anderen Kolonien in die englische Republik eingeführt werden sollen auf keinem anderen Schiffe als nur einem wirklich dem Volke dieser Republik zugehörigen und wovon Kapitän und Matrosen zum größten Teil Engländer sind, unter der Strafe des Verlustes aller Güter, die im Widerspruch zu diesem Gesetz eingeführt werden sollen als auch des Schiffes. Und es wird weiter verordnet, daß keine Waren, die aus Europa stammen, nach dem 1. Dezember 1651 nach England eingeführt werden auf irgendeinem Schiff, es sei denn wirklich englisch, ausgenommen solche fremden Schiffe, die dem Volke des Landes gehören, aus dem die Güter stammen und das unter der gleichen Strafe "


Wie man sieht, legt dieser Text fest, dass die von den englischen Kolonien in Afrika, Asien und Amerika importierten oder exportierten Güter auf Schiffen transportiert werden mussten, die von englischen Werften gebaut wurden und deren Mannschaft zu 75 Prozent aus Engländern bestand. Güter, die aus den Kolonien nach England eingeführt wurden, mussten nach der Navigationsakte ebenfalls auf englischen Schiffen transportiert werden. Die Bezeichnung "englisch" bezog sich dabei auf die Nationalität und nicht auf die geographische Herkunft; die Kolonisten und die koloniale Schifffahrt galten als englisch. Cromwells Hintergedanke dabei war ganz einfach: Es ging ihm mit solchen Maßnahmen primär darum, die exponierte Stellung der Holländer anzugreifen, die einen florierenden Handel mit den britischen Kolonien aufgebaut hatten. Ein Plan, der zwar sofort zu wirken begann, jedoch waren die Holländer nicht bereit, sich so ohne weiteres abdrängen zu lassen, was 1652 zum ersten auf dem Wasser geführten Krieg zwischen den Niederlanden und England führte und erst 1654 mit der Anerkennung der Navigationsakte durch die Holländer im Vertrag von Westminster endete. Die Vormachtstellung im Welthandel war nicht nur beseitigt, sondern direkt an England übergegangen. Weitere Regeln folgten: Die Navigationsakte von 1660 legte fest, dass bestimmte Waren - vor allem Reis, Tabak und Indigo - von den englischen Kolonisten nur in andere englische Kolonien oder ins Mutterland exportiert werden durften. Ergänzungsgesetze der Navigationsakte wie der Wollens Act (1699), der Hat Act (1732) und der Iron Act (1750) waren Versuche, zum Schutz der Industrie im Mutterland die Produktion von Fertiggütern in den Kolonien zu verhindern. Es sollte bis 1854 dauern bis sie aufgehoben wurden.  

Die Navigationsakte waren eine Variante des Merkantilismus, der in Europa des 16. bis 18. Jahrhunderts vorherrschenden Wirtschaftsform, und sie leiteten den Aufstieg Englands zur führenden Seemacht ein. Den englischen Bürgern in den Kolonien Nordamerikas brachten die Gesetze aus den Navigationsakten deutliche Vorteile: Der Schiffbau florierte, denn alle Schiffe mussten aus englischer Produktion kommen; die Hersteller und Händler der in den Gesetzen genannten Waren fanden in England und den Schwesterkolonien einen stabilen und sicheren Markt und ein System von Ausfuhrzöllen und Rabatten hielt die Preise für englische Güter niedriger, als sie es auf einem offenen Markt gewesen wären.