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Als Naturreligionen werden die Religionen schriftloser Völker bezeichnet, meist werden auch Begriffe wie „Primitivreligionen“, „archaische Religionen“, „Stammesreligion“ oder „Elementarreligion“ genutzt. Beim Begriff „Naturreligion“ handelt es sich aber nicht um natürliche, nicht geoffenbarte Religionen, sondern um Religionen der Naturvölker. Naturreligiöse Erfahrungen gehören zu den ältesten spirituellen Erfahrungen der Menschheit. Die Spiritualität entstand, sobald der Mensch die geistige und seelische Entwicklungsstufe erreicht hatte, die ihm Erkenntnisse und Erlebnisse über die Auseinandersetzung mit seiner rein physischen Umwelt hinaus erlaubten. Diese war durch das unmittelbare Erleben der in der Natur waltenden Kräfte und Mächte geprägt. Der Anhänger einer Naturreligion sieht sich von einer höheren Macht abhängig, im Gegensatz zu einer Hochreligion fehlt aber meist eine heilige Schrift, die Überlieferungen finden mündlich statt. Naturreligionen haben kein universaler Anspruch und besitzen auch keine religiösen Institutionen wie Berufs-Priester oder Klöster. Die Ahnenverehrung bzw. der Ahnenkult ist stark ausgeprägt. In Naturreligionen ist es üblich, dass das höchste Wesen stammesbezogen ist, während die Klan-Ältesten oft eine Priesterfunktionen inne haben. |
Eine sehr alte Religionsform der Naturreligion ist der Totemismus, der auf einer Verehrung für Totemtiere beruht. Der Totemismus ist meist bei Jägern und Wildbeutern anzutreffen. Eine spätere Form der Naturreligion ist der Animismus, wobei es sich um den Glauben an die Beseeltheit der gesamten Natur handelt, bei der das Göttliche allgegenwärtig ist. Ebenso wie die Ahnenverehrung ist diese Form der Naturreligion vor allem in Ackerbaukulturen anzutreffen. Viele Naturreligionen bestehen aus Hexerei, Zauberei und Magie, die etwa bei der Bewältigung von Krankheiten oder Fluchbeseitigungen zum Einsatz kommen. Der Zugang zur Religion ist meist pragmatisch: Man verehrt nur solche Kräfte, die helfen können und helfen wollen. Naturreligiöse Experten für die Kommunikation zwischen Mensch und Göttlichem wurden unterschiedlichste Vorstellungen entwickelt. Ab einer gewissen Entwicklungsstufe haben Spezialisierungen stattgefunden und Menschen mit besonderen Gaben und Befähigungen zur Kontaktaufnahme und Interaktion mit der geistigen Welt übernahmen spezielle Rituale und Handlungen wie z.B. beim Schamanismus oder der Magie. Beim Schamanen kann man bereits von einem „Teilzeitspezialisten“ sprechen, der mit den spirituellen Mächten im Auftrag einer Gruppe in Verbindung tritt. Oft übernehmen auch bestimmte Berufsgruppen wie z.B. Schmiede religiöse Funktionen, meist wenn es um Zauberei und Magie geht. Erst in komplexeren Gesellschaften gibt es berufsmäßige Priester. |